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Klesius, Y&T, Bei uns zu Hause
erschienen in: The Garter Snake, 1/2005, Hamburg

 Gemäß den Vorgaben meiner VorschreiberInnen zu dieser traditionellen Rubrik innerhalb der Gartersnake werde ich mich an das bewährte Raster zur Vorstellung unserer Tiere halten. Da wir über 50 Schlangen, des weiteren noch diverse Echsen und Amphibien in unserem „Mini- Reptilium“ beherbergen, diese aber im Rahmen dieses Beitrags aber nicht vorstellen wollen, verweisen wir auf unsere Homepage www.schlangenland.de . Dort ist unser Tierbestand weitestgehend komplett aufgeführt in Bild & Wort. Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt bei Thamnophis.

 Wie wir zu den Schlangen kamen

Zugang zu Schlangen, Echsen, Amphibien & Co bekamen wir beide (unabhängig voneinander) bereits in frühester Kindheit. Da mein Vater Aquarianer in einem Aquarien- und Terrarienverein war, kam ich unweigerlich in Kontakt mit Kriechtieren. Neben ersten Erfahrungen mit diversen einheimischen Molchen und Salamandern startete ich erste Reptilienerfahrungen mit einer Dasypeltis scabra, Anolis carolinensis und einer Agamenart. Wenig später tauschte (!) ich diese Tiere Anfang der 80er Jahre ein gegen ein WF- Pärchen Thamnophis sirtalis parietalis. Die beiden war recht hektisch und wurden von mir mit Fischfilet und verkrüppelten Guppys aus meinem Fischbestand gefüttert (tja, ja... die leichtsinnige Jugendzeit...). Irgendwann (ich war ca. 14 Jahre) wurde mir das Füttern zuviel (die zwei Thamnophen jagten irrsinnig gerne meinen Fingern nach, die beim Füttern nach Fisch stanken und erfreuten sich wohl daran, dass ich jedesmal höllisch erschrak;-) und ich beendete meine terraristische Laufbahn prompt. Vor drei Jahren kauften wir uns ein altes Haus in Haßloch in der Pfalz. Da wir bis dahin gerne weite Reisen durch die Welt unternommen hatten kam sehr bald die mathematische Erkenntnis: Altes Haus= viel Arbeit// Eigenes Haus= wenig Geld => Viel Arbeit + wenig Geld = kein großer Urlaub mehr die nächsten Jahre!!! Die Erkenntnis kam schlagartig: Wenn wir so schnell nicht mehr in die Ferne reisen konnten, könnten wir ja die „Ferne“ zu uns nach Hause holen. Wir erinnerten uns an frühere herpetologische Erlebnisse (auch Yvonne hatte die ein oder andere Blindschleiche oder einen Bergmolch zur Freude ihrer Mutter gehältert) und so geschah es: Nach vielen „tierlosen“ Jahren legten wir uns ein Terrarium mit verschiedenen Echsen zu. Vier Monate später folgten 1,1 Pantherophis guttatus und im September 2002 flammte eine alte Liebe wieder auf: Strumpfbandnattern! Wir kauften uns ein interessantes Fachbuch über Strumpfbandnattern von einem Redakteur einer Strumpfbandnattern- Zeitschrift ;-) und nahmen kurzerhand telefonischen Kontakt mit dem Autor auf. Es dauerte nicht sehr lange, da befanden wir uns auf dem Weg in Richtung Erlensee (einen Ort, dessen Existenz wir bis dato noch nicht einmal erahnt hatten). Von dort an ging es herpetologisch rasant weiter und wenn ich so diesen Artikel gerade verfasse, kommt mir der Gedanke, dass wir für das in die Tierhaltung investierte Geld doch schon ganz gut Urlaub hätten machen können... (hm?!?) Aber was ist schon Urlaub in der weiten Welt! Wir haben jetzt das ganze Jahr die „weite Welt“ in unseren vier Wänden! Bei Martin kauften wir also unsere ersten Thamnophen...

 Unser Interesse für Thamnophis

Wie schon oben beschrieben hatte ich schon in jungen Jahren Thamnophis s. parietalis gehalten und so kam es, dass wir uns 3 NZ- Tiere bei Martin Hallmen holten: 1,0 Th. s. parietalis und 1,1 Th. sirtalis parietalis x Th. s. semifasciatus. Die Hybriden waren für uns damals kein Problem, da wir eigentlich nicht großartig ans Züchten dachten. Auf jeden Fall gefielen uns Thamnophen von Anfang an grundsätzlich supergut: sie werden nicht zu groß, wir haben kein Problem mit Fischgeruch, die Tiere sind nicht aggressiv (zumindest die meisten Arten nicht), die Fütterung ist recht einfach (wenn man vom Futterneid absieht) und das Wichtigste: Thamnophen sind wunderhübsch! Und so kam es, dass wir im Laufe der Zeit noch weitere Strumpfbandnattern dazukauften (Mensch, das wären ja wirklich tolle Urlaube geworden...;-P)…

 Gehaltene Thamnophis- Arten

Folgende Thamnophen beobachten meine Frau und mich, wenn wir durch unser Wohnzimmer laufen: 

1,1 Thamnophis sirtalis parietalis (NZ 2002)

0,1 Thamnophis sirtalis parietalis x Th. s. semifasciatus (NZ 2002) (das Männchen verstarb letzten Winter)

2,1 Thamnophis radix (NZ 2003)

1,1 Thamnophis cyrtopsis cyrtopsis (NZ 2003)

1,1 Thamnophis sirtalis sirtalis, Farbform “Florida blue” (NZ 2004)

0,0,4 Thamnophis radix, classic albino (NZ 2004)

0,0,1 Thamnophis radix, anerythristisch (NZ 2004)

 

An anderen Wassernattern halten wir noch:

Natrix maura (2,2 NZ 2003), Natrix natrix natrix (1,1 NZ 2003), Xenochrophis vittatus (0,0,2 NZ 2004) und z.Zt. Nerodia fasciata pictiventis (0,0,1) und Nerodia floridana (0,0,1). Bis auf die Nerodias, die wir vor 2 Wochen als „Notfall“ übernommen haben, haben wir keine Wildfänge an Schlangen!

 Terrarien (LxBxH)

Zur Zeit bauen wir noch ein Terrarienregal für große Becken (100er, 120er). Ich beschränke mich aber auch hier in meinen Beschreibungen auf die Thamnophis- Becken: In einem 100x50x50- Becken leben gemeinschaftlich 2,1 Th. radix mit 1,1 NZ 2004 „Florida Blue“. Die Tiere werden nächstes Jahr voneinander getrennt, um Hybridisierung zu vermeiden. Jungtiere halten wir grundsätzlich in kleinen Aufzuchtwürfeln; so leben unsere Radix- Albinos/ Radix- Anery (NZ 2004) z. Zt. noch in einem Becken 30x40x30. Demnächst geht es aber in ein 60x30x30- Becken. Die Cyrtopsen „beklettern“ ein 60x40x40- Terrarium, während die Parietalis (1,1) und das Weibchen von Thamnophis sirtalis parietalis x Th. s. semifasciatus in einem Becken mit den Maßen 80x40x40 leben. Meines Erachtens eigenen sich für Wassernattern generell Terrarien, die zusätzlich oder auch ausschließlich von oben zugängig sind. Man kann dann wesentlich ruhiger mit den doch zeitweise hektischen Tieren umgehen ohne Angst zu haben, dass ein Natterchen aus dem Terrarium „springt“..

Als Bodensubstrat verwenden wir keine Buchenspäne mehr (wegen möglicher Schimmelbildung, Mitfressen,...), sondern Kokosbrocken von ca. 1cm³, die auch die Feuchtigkeit besser abgeben als Buchenspäne. Außerdem ist das Risiko des Verschluckens absolut minimiert. Verkotete Brocken werden aus dem Terra genommen, was natürlich eine regelmäßige Generalreinigung nicht ersetzt. Unsere Jungtiere halten wir möglichst steril auf Küchenvlies. Desweiteren besteht die Terrarieneinrichtung aus Verstecken (Kork- und Rindenstücke), Kletterästen und Tontöpfen (die übrigens Feuchtigkeit und Wärme sehr gut regulieren). Dies haben wir aus unserer Königspython- Haltung übernommen, die sich seitdem immer am Stück häuten (Python regius ist bekannt dafür, dass er beim Häuten leicht Probleme bekommt (Fetzenhäutung). Durch tägliches Besprühen der Tontöpfe (so dass oben ein kleiner „Wassersee“ entsteht) haben die Köpys keinerlei Häutungsprobleme mehr. Nicht, dass ein Missverständnis entsteht: wir halten unsere Thamnophen trocken; nur wenn ein Tier vor der Häutung eingetrübt ist, sprühen wir einen Teil des Beckens. In keinem Fall dürfen die Tiere z.B. über Nacht nass liegen! Die Beleuchtung der Terrarien ist unterschiedlich: mit Halogenlampen, Neonröhren oder Spots. In jedem Fall muss dem Temperaturbedürfnis der jeweiligen Art Genüge getan werden (z.B. mögen es die Cyrtopsen eher warm usw...)

 Fütterung

Wir füttern v.a. Stint, der bei jeder Fütterung mit einem Multivitaminpräparat (z.B. Korvimin) gemischt mit einem Vitamin B- Pulver gepudert wird. Neben Stint geben wir auch Forelle und ab und an auch Lachs. Bei Thamnophis radix (NZ 02) und Thamnophis s. parietalis geben wir noch kleine aufgetaute Babymäuse dazu, die allerdings nicht vitaminisiert werden. Thamnophis cyrtopsis spricht, wie auch die Natrixarten nicht unbedingt auf Mäuse an. Th. radix und alle Thamnophis sirtalis- Unterarten gehen zügig und gierig ans Futter (kein Tier stört sich am Pulver), lediglich Thamnophis cyrtopsis zeigt periodisch zögerndes Fressverhalten. Auffällig bleibt mir zu erwähnen, das Thamnophis s. parietalis beim Fressen oft innehält, wodurch die Gefahr, dass ein anderes Tier den selben Fisch schnappen will, erhöht ist. Nachdem wir lange Zeit unsere Thamnophen außerhalb der Terrarien gefüttert haben (bis auf unsere Zuchtgruppe Opheodrys aestivus füttern wir alle Schlangen in separaten Futterboxen), füttern wir mittlerweile alle Wassernattern im Terrarium. Dazu stellen wir die Futterschale auf den Boden und „bedienen“ die Tiere primär mit der Pinzette. Man muss darauf achten, dass besonders zu Beginn der Fütterung jedes Tier Futter im Maul hat. Besonders gierige und schnelle Fresser bekommen den Stint schon mal quer angeboten, damit die anderen mehr Zeit haben. Bei der Fütterung sind wir komplett anwesend, um gegenseitiges Verletzen oder sogar Fressen zu vermeiden. Bisher ging es immer gut... toi- toi- toi! Damit das Zufüttern für uns weniger stressig ist und wir uns mehr darauf konzentrieren können, dass kein Bodengrund mitgefressen wird und sich die Tiere nicht verbeißen, sind die meisten unserer Wassernatterterras zusätzlich von oben zugängig. So braucht man nicht so sehr darauf zu achten, dass Tiere entfliehen und kann ruhig und bedacht auf die Schlangen zugehen (s.o.).

 Überwinterung

Da unsere ältesten Tiere höchstens ca. 2 Jahre alt sind und wir die Jungtiere nicht überwintern, haben wir noch nicht so viele Erfahrungen diesbezüglich. Wir werden unsere Tiere diesen Winter „soft“ überwintern (d.h. Licht und Heizung im ausschalten). Bei den Radixen und Parietalis erwägen wir auch eine kühle Überwinterung in unserem alten Keller (im November zeigt das Thermometer bereits 12 Grad Celsius an. Wir werden das Temperaturgefälle weiter beobachten und in einer späteren Garter Snake- Ausgabe berichten. In jedem Fall bleibt die Temperatur in den Kellerräumen recht konstant über den Tagesverlauf. Wir hoffen vielfältige positive Erfahrungen machen zu können diesen Winter bezgl. der Überwinterung/ Temperaturverhältnisse in unserem Keller.

Krankheiten

An Krankheiten bliebe unsere Tiere bislang weitestgehend verschont. Unser Thamnophis sirtalis parietalis x Th. s. semifasciatus- Männchen (NZ 2002) verstarb leider während unserer Abwesenheit im Dezember 2003 aus ungeklärten Gründen. Das Weibchen der gleichen Unterart zeigte im Mai 2004 ein Verhalten, wie es bei Hypovitaminose der Fall ist: krampfhafte Bewegungen, Umkippen auf den Rücken, kein zielgerichtetes Bewegen war mehr möglich. Mit Hilfe von Berichten aus der Gartersnake zur Behandlung der Ursachen dieser Symptome (z. B. von G. Hiendlmeyer) oder Schwyzer Tipps von Heidi Künzli (hier möchte ich nochmals allen für die hilfreiche Unterstützung danken!!!) konnten wir das Tier durch tägliche mehrmalige Verabreichung von flüssigem Vitamin B1 und zusätzlicher Gabe von Vitamin B1- Pulver kombiniert mit Korvimin ZVT wieder stabilisieren. Das betroffene Tier zeigt heute keinerlei Symptome mehr und ist wieder kräftig und ein sehr guter Fresser.

 Zucht

Da wir erst 2002 mit der Thamnophenhaltung (wieder) eingestiegen sind und seitdem nur Jungtier- Nachzuchten gekauft haben, haben wir noch keine Erfahrungen mit der Zucht von Thamnophis. Auch diesbezüglich erwarten wir in 2005 hoffentlich viele neue Erfahrungen. In jedem Fall werden wir die Jungtiere möglichst steril mit Vlies in kleinen Aufzuchtterrarien (30x30x30 oder 30x40x30) halten. Jungtiere, die in zu großen Behältnissen gehalten werden, sind oft unruhiger, nervöser und gehen oft nicht so gut ans Futter.

 Einstellung anderer zu unserem Hobby

Was sagen andere Leute zu unserem Hobby? Angefangen von dem Freund einer Bekannten, der sich weigert unser Grundstück (!) zu betreten, weil wir in unserem Haus Schlangen (gefährlich!) halten, bis hin zu Freunden, die sich immer wieder über unseren Tierbestand erkundigen, ist tatsächlich die ganze Bandbreite an Veraltensweisen zu finden. Wenn wir in unserem HP- Gästebuch nachschauen, entdecken wir jedoch meist positive Rückmeldungen. Meistens sind unsere Besucher verwundert über die Menge der gehaltenen Schlangen (Schlangen bewirken meist extremere Reaktionen als unsere Echsen oder Amphibien); die Frage nach der Giftigkeit ist wohl eine der meistgestelltesten. Wenn man die Frage „Wie viele Schlangen habt ihr denn?“ mit „…ca. 50 Stück!“ beantwortet, so löst das meist abstruse Verwunderung aus. Auch in der Schule (ich bin Sonderschullehrer an einer Förderschule) zeigen sich mir immer befremdete Gesichter, wenn ich über mein Hobby spreche. Bisher habe ich mich jedoch noch nicht getraut, Tiere mit in die Schule zu nehmen. Der Stress für das Tier scheint mir z. Zt. noch nicht ausreichend kalkulierbar. In jedem Fall thematisiere ich das Thema Reptilien in meinem Biologieunterricht und ein Besuch im Reptilium Landau (auch wenn es dort leider keine Thamnophen gibt) ist auch schon angedacht. Immer mit dem Ziel, darauf hinzuweisen, dass Schlangen keine giftigen Bestien sind, die man am besten totschlägt. Die christliche Kultur hat uns Schlangenhaltern diesbezüglich ein schlechtes Erbe hinterlassen. Durch den Umgang und das Beobachten der Tiere sollen unsere Besucher erfahren, dass Schlangen ängstlich oder neugierig sein können und nicht grundsätzlich bösartig sind. Durch die Annäherung an diese Tiere soll auch Verständnis geweckt werden und (eigene) Urängste durchbrochen werden.

Y&T Klesius
D- 67454 Haßloch
info@schlangenland.de

www.schlangenland.de