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Gemeinschaftshaltung
verschiedener Thamnophis- Unterarten in einem Terrarium
EinleitungAls frischgebackenes EGSA- Mitglied möchte
ich hier über die Haltung meiner Strumpfbandnattern berichten. Nachdem ich in
meiner Jugendzeit zwei Wildfänge von Thamnophis sirtalis sirtalis hatte, war
meine Liebe zu Strumpfbandnattern entfacht. Damals stellte ich aber mein
herpetologisches Hobby leider bald wieder ein, da in jenem wilden Jugendalter
noch andere (nichtherpetologische) Lieben Vorrang bekamen. Heute, etwa 20 Jahre
später, beschäftige ich mich wieder mit Reptilien – insbesondere Schlangen
– und habe nun seit einem Jahr gemeinsam mit meiner Frau auch wieder meine
geliebten Strumpfbandnattern; allerdings handelt es sich dabei – im Gegensatz
zu damals - gänzlich um deutsche Nachzuchten! Gehaltene UnterartenWir halten folgende Unterarten: (Stand 12/2003) 1,1 Thamnophis sirtalis parietalis NZ
2002 bzw. NZ 2003 Das TerrariumNachdem wir anfangs unsere ersten
Thamnophen in einzelnen Würfelboxen gehalten haben (1,0 parietalis und 1,1
parietalis x semifasciatus), die Radixe in einem weiteren Würfel. Kamen wir auf
die Idee, ein altes Aquarium zur Gemeinschaftshaltung umzufunktionieren. Da
die Tiere in etwa gleich groß waren (NZ 2002) setzten wir die Idee bald um. Das
Aquarium hat die Maße 1m x 0,50m x 0,50m. Zunächst baute ich einen Holzrahmen
zur Abdeckung. Wohlwissend, dass das Aquarium keine optimale Durchlüftung
bietet, versah ich die gebaute Abdeckung komplett mit Kunststoffgaze. In der
Mitte bohrte ich einen Durchlass für das Stromkabel der Wärmelampe. Die Tiere
fühlten sich nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr wohl, verhielten sich relativ
natürlich. Da insgesamt acht Jungtiere im Terrarium waren, sorgten wir für genügend
Versteck- und Aktionsmöglichkeiten (Korkstücke, umgedrehte Blumentöpfe,
Kletteräste). Ein kleiner Makel war der Holzrahmen, der nicht ganz 100% dicht
war (2-3 mm Durchlass an einigen Stellen. Da die Tiere aufgrund ihrer Größe
jedoch nicht mehr adhäsiv am Glas hochrutschen konnten, aber auch noch nicht so
lang waren, dass sie bis an den Rand kamen, hatten wir jedoch keine Angst, ein
Tier könnte entkommen. Das hat Vorteile insbesondere bei der Fütterung: Fütterung Hierbei nehme ich den Terrariumdeckel ab
und stelle eine Schale mit Fisch hinein. Dabei füttere ich teilweise direkt mit
der Pinzette zu, ohne Angst, dass eine Schlange entwischt, da die Beckenhöhe
– wie bereits erwähnt – zu hoch für einen Ausbruch ist. Meine Befürchtungen,
die Tiere könnten durch meinen Zugang von oben irritiert werden (instinktives
Beute- Greif- Schema), erwies sich als haltlos. Schwierig bei der Fütterung
zeigten sich alsbald jedoch 2 Dinge:
Verhalten im TerrariumSeit Mitte Oktober leben – nach 5- wöchiger
Quarantäne in einem separaten Behältnis – noch 0,0,2 Th. Cyrtopsis cyrtopsis
in dem Terrarium. Alle Tiere zeigen natürliche Verhaltensweisen von
Strumpfbandnattern: sie sind interessiert, was in und um ihr Terrarium alles
passiert, sonnen sich gemeinsam auf der Korkrinde unter der Wärmelampe und
gehen gut ans Futter (v.a. aufgetaute Stinte). Uns gegenüber sind die Schlangen
meist sehr ruhig, d.h. wenn man eine Hand ins Terrarium hält, versuche immer
einige neugierig darauf zu klettern. Abwehrverhalten in Form von Beißen oder
Koten uns Zischen zeigt keine unserer Nattern. Mir fiel bei weiteren Beobachtungen auf,
dass die Thamnophen unsere einzigen Schlangen sind, die sowohl tagsüber, als
auch nachts aktiv sind. D.h. wenn ich z.B. gegen Mitternacht in unser
Schlangenzimmer gehe, ist von unseren nachtaktiven Pantherophis guttatus
guttatus und Python regius nichts mehr zu sehen, unsere tagaktiven Schlangen
(Natrix natrix, Natrix tesselata, Natrix maura, Zamenis situla, Opheodrys
aestivus) schlafen sowieso schon fest, nur im Thamnophen- Becken sind immer
einige Schlangen unterwegs (insbes. Th. radix und Th. s. parietalis), auch wenn
diese schon tagsüber sehr aktiv waren. An der Geburtstagsfeier meiner Frau
Anfang November konnte ich zudem einmalig etwas Erstaunliches beobachten: Wir
hatten eine große Gesellschaft eingeladen, die sich in unserem Wohnzimmer
einfand (das ist zugleich unser Schlangenzimmer). Gegen 23.00 Uhr bemerkte
jemand, dass drei Thamnophis radix ein Bad im Wasserpott nahmen. Sie wurden von
zwei anderen Thamnophen, die erhöht aus einem umgedrehten Blumentopf schauten
und – so sah es witzigerweise aus – wohl als Bademeister fungierten (=>
„Nicht vom Beckenrand springen!“) ;-)) beobachtetet. Die Aufmerksamkeit der
Feier lag nun auf dem Terrarium und der Badeaktion, was die Tiere jedoch nicht
irritierte, sondern eine weitere Radix ermunterte, sich auch ins Wasser zu
begeben. Die Badetour dauerte ca. 20 Minuten, dann verließen die vier Nattern
fast zeitgleich das Wasser. Die Raumtemperatur betrug zu dem Zeitpunkt ca. 22
Grad Celsius, war also für diese Uhrzeit relativ hoch, absolut jedoch nicht außergewöhnlich
war. Ganz erklären kann ich mir dieses Verhalten nicht. Vielleicht hat ja einer
der LeserInnen schon mal Ähnliches erlebt. ZugängeAnfang September erstanden wir auf der Mannheimer Börse – die übrigens m.E. zu einer der interessantesten Börsen unserer weiteren Region gehört – zwei Nachzuchttiere von Thamnophis cyrtopsis cyrtopsis (NZ 2003). Die Tiere standen sehr gut im Futter. Unsere Cyrtopsen klettern sehr gerne und sind sehr ruhig im Vergleich zu den anderen von uns gehaltenen Unterarten. Nach einigen unauffälligen Wochen in Quarantäne setzten wir die zwei Tiere zu den anderen hinzu. Die Tiere gewöhnten sich relativ schnell ein, auffallend ist jedoch, dass die Cyrtopsen häufig ohne Deckung im Terrarium herumliegen, d.h. sie verkriechen sich nicht in eines der angebotenen Verstecke. Auch beim Füttern stellen wir seit kurzer Zeit fest, dass eine der beiden Schlangen nicht mehr frisst. Da das Tier aber noch sehr gut genährt aussieht, machen wir uns noch keine zu großen Sorgen, beobachten Veränderungen jedoch sehr aufmerksam. Eventuell werden wir die Cyrtopsen wieder extra setzen, wenn das eine Jungtier nicht bald wieder ans Futter geht. In jedem Fall gehen unsere Cyrtopsen im Vergleich zu den anderen Unterarten fast immer zuletzt an das dargebotene Futter. Eine Separierung bei der Fütterung funktioniert auch nicht, da die Tiere (durch den Stress des Handlings?) – wie bereits erwähnt - dann nicht mehr fressen. Einige andere Strumpfbänder (parietalis, teilweise radix) gehen z. Zt. jedoch auch nicht mehr so gut ans Futter, was eventuell mit dem Jahreszyklus zusammenhängen könnte. Da die Tiere gerade knapp über ein Jahr alt sind, wollten wir sie eigentlich noch nicht überwintern. Zur Zeit bedenken wir aber nun doch eine eventuelle Überwinterung wegen des teilweise mangelhaften Fressverhaltens. Des weiteren überlege ich noch über
die Anschaffung einer Thamnophis similis oder aber auch „Florida blue“. Wenn
jemand Tiere abzugeben hat, kann er sich gerne melden.
Wir möchten unsere Thamnophen nicht auf
Dauer gemeinsam in dem besagten Becken halten. Schon beim Kauf achteten wir
darauf, möglichst nördliche Unterarten zu erwerben (z.B. parietalis, radix),
da ich nächstes Jahr die Tiere in Freilandanlagen bzw. Freilandterrarien
umsetzen möchte. Hierfür steht mir ein Terrarium von 1,70m Breite zur Verfügung,
dass noch einen Zugang zum Keller bekommen soll. Dabei sollen die Nattern bei
extremer Hitze selbst ihren bevorzugten Temperaturbereich wählen können. Im
Keller befindet sich dann ebenfalls ein etwas kleineres Terrarium, in das die
Tiere dann hinunterklettern können. Zudem habe ich schon einen Platz
auserkoren, an dem ich selbst ein Freilandterrarium mit ca. 3-4 qm bauen möchte.
Glas ist schon vorhanden, ich lasse mir jedoch genügend Zeit mit der Planung,
damit ich so viele Details wie möglich berücksichtigen kann. Martin Hallmens
Buch über Freilandterrarien gibt uns dabei viele Anregungen und Tipps. Wenn es
soweit ist, werde ich natürlich darüber berichten! Bis dahin (bzw. bis zum EGSA- Treffen) wünsche
ich allen Strumpfbandnatter- Freunden noch viel Spaß und spannende
Beobachtungen mit ihren Tieren. Thomas
Klesius |