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Gemeinschaftshaltung verschiedener Thamnophis- Unterarten in einem Terrarium 
Klesius, T., in: The Garter Snake 2/04, Hamburg 2004


Einleitung

Als frischgebackenes EGSA- Mitglied möchte ich hier über die Haltung meiner Strumpfbandnattern berichten. Nachdem ich in meiner Jugendzeit zwei Wildfänge von Thamnophis sirtalis sirtalis hatte, war meine Liebe zu Strumpfbandnattern entfacht. Damals stellte ich aber mein herpetologisches Hobby leider bald wieder ein, da in jenem wilden Jugendalter noch andere (nichtherpetologische) Lieben Vorrang bekamen. Heute, etwa 20 Jahre später, beschäftige ich mich wieder mit Reptilien – insbesondere Schlangen – und habe nun seit einem Jahr gemeinsam mit meiner Frau auch wieder meine geliebten Strumpfbandnattern; allerdings handelt es sich dabei – im Gegensatz zu damals - gänzlich um deutsche Nachzuchten! 

Gehaltene Unterarten

Wir halten folgende Unterarten: (Stand 12/2003)

1,1 Thamnophis sirtalis parietalis NZ 2002 bzw. NZ 2003
1,1 Th. sirtalis parietalis x semifasciatus NZ 2002
0,0,5 Th. radix NZ 2002
0,0,2 Th. cyrtopsis cyrtopsis NZ 2003-11-21
 

Das Terrarium

Nachdem wir anfangs unsere ersten Thamnophen in einzelnen Würfelboxen gehalten haben (1,0 parietalis und 1,1 parietalis x semifasciatus), die Radixe in einem weiteren Würfel. Kamen wir auf die Idee, ein altes Aquarium zur Gemein­schafts­haltung umzufunktionieren. Da die Tiere in etwa gleich groß waren (NZ 2002) setzten wir die Idee bald um. Das Aquarium hat die Maße 1m x 0,50m x 0,50m. Zunächst baute ich einen Holzrahmen zur Abdeckung. Wohlwissend, dass das Aquarium keine optimale Durchlüftung bietet, versah ich die gebaute Abdeckung komplett mit Kunststoffgaze. In der Mitte bohrte ich einen Durchlass für das Stromkabel der Wärmelampe. Die Tiere fühlten sich nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr wohl, verhielten sich relativ natürlich. Da insgesamt acht Jungtiere im Terrarium waren, sorgten wir für genügend Versteck- und Aktionsmöglichkeiten (Korkstücke, umgedrehte Blumentöpfe, Kletteräste). Ein kleiner Makel war der Holzrahmen, der nicht ganz 100% dicht war (2-3 mm Durchlass an einigen Stellen. Da die Tiere aufgrund ihrer Größe jedoch nicht mehr adhäsiv am Glas hochrutschen konnten, aber auch noch nicht so lang waren, dass sie bis an den Rand kamen, hatten wir jedoch keine Angst, ein Tier könnte entkommen. Das hat Vorteile insbesondere bei der Fütterung: 

Fütterung

Hierbei nehme ich den Terrariumdeckel ab und stelle eine Schale mit Fisch hinein. Dabei füttere ich teilweise direkt mit der Pinzette zu, ohne Angst, dass eine Schlange entwischt, da die Beckenhöhe – wie bereits erwähnt – zu hoch für einen Ausbruch ist. Meine Befürchtungen, die Tiere könnten durch meinen Zugang von oben irritiert werden (instinktives Beute- Greif- Schema), erwies sich als haltlos. Schwierig bei der Fütterung zeigten sich alsbald jedoch 2 Dinge: 

  1. Meine Frau (die sich glücklicherweise ebenfalls sehr für Reptilien interessiert) und ich müssen beim Füttern äußerst wachsam sein, dass sich die Thamnophen – als ausgesprochene Futterneider – nicht gegenseitig auffuttern, was bei der Anzahl der Tiere (mittlerweile 10 Tiere) gar nicht so einfach ist.
  2. Sollen die Tierchen beim Verschlingen keine Buchenholz­späne mitfressen. Letzteres ist äußerst lästig, da – wie jedem Thamnophenhalter wohl bekannt – Stinte oder auch Nacktschnecken oder Regenwürmer Buchenspäne geradezu magisch anziehen. Wir haben auch schon die Tiere aus dem Terrarium herausgenommen und in einem extra Futterbehälter gefüttert, doch erscheint uns das nicht sehr praktika­bel, insbesondere, da einige Tiere das übel nehmen und nach dem Anfassen nichts mehr fressen wollen. Also bleibt nur das geduldige und aufmerksame Beobachten der Fütterung.

Verhalten im Terrarium

Seit Mitte Oktober leben – nach 5- wöchiger Quarantäne in einem separaten Behältnis – noch 0,0,2 Th. Cyrtopsis cyrtopsis in dem Terrarium. Alle Tiere zeigen natürliche Verhaltensweisen von Strumpfbandnattern: sie sind interessiert, was in und um ihr Terrarium alles passiert, sonnen sich gemeinsam auf der Korkrinde unter der Wärmelampe und gehen gut ans Futter (v.a. aufgetaute Stinte). Uns gegenüber sind die Schlangen meist sehr ruhig, d.h. wenn man eine Hand ins Terrarium hält, versuche immer einige neugierig darauf zu klettern. Abwehrverhalten in Form von Beißen oder Koten uns Zischen zeigt keine unserer Nattern. 

Mir fiel bei weiteren Beobachtungen auf, dass die Thamnophen unsere einzigen Schlangen sind, die sowohl tagsüber, als auch nachts aktiv sind. D.h. wenn ich z.B. gegen Mitternacht in unser Schlangenzimmer gehe, ist von unseren nachtaktiven Pantherophis guttatus guttatus und Python regius nichts mehr zu sehen, unsere tagaktiven Schlangen (Natrix natrix, Natrix tesselata, Natrix maura, Zamenis situla, Opheodrys aestivus) schlafen sowieso schon fest, nur im Thamnophen- Becken sind immer einige Schlangen unterwegs (insbes. Th. radix und Th. s. parietalis), auch wenn diese schon tagsüber sehr aktiv waren. An der Geburtstagsfeier meiner Frau Anfang November konnte ich zudem einmalig etwas Erstaunliches beobachten: Wir hatten eine große Gesellschaft eingeladen, die sich in unserem Wohnzimmer einfand (das ist zugleich unser Schlangenzimmer). Gegen 23.00 Uhr bemerkte jemand, dass drei Thamnophis radix ein Bad im Wasserpott nahmen. Sie wurden von zwei anderen Thamnophen, die erhöht aus einem umgedrehten Blumentopf schauten und – so sah es witzigerweise aus – wohl als Bademeister fungierten (=> „Nicht vom Beckenrand springen!“) ;-)) beobachtetet. Die Aufmerksamkeit der Feier lag nun auf dem Terrarium und der Badeaktion, was die Tiere jedoch nicht irritierte, sondern eine weitere Radix ermunterte, sich auch ins Wasser zu begeben. Die Badetour dauerte ca. 20 Minuten, dann verließen die vier Nattern fast zeitgleich das Wasser. Die Raumtemperatur betrug zu dem Zeitpunkt ca. 22 Grad Celsius, war also für diese Uhrzeit relativ hoch, absolut jedoch nicht außergewöhnlich war. Ganz erklären kann ich mir dieses Verhalten nicht. Vielleicht hat ja einer der LeserInnen schon mal Ähnliches erlebt. 

Zugänge

Anfang September erstanden wir auf der Mannheimer Börse – die übrigens m.E. zu einer der interessantesten Börsen unserer weiteren Region gehört – zwei Nachzucht­tiere von Thamnophis cyrtopsis cyrtopsis (NZ 2003). Die Tiere standen sehr gut im Futter. Unsere Cyrtopsen klettern sehr gerne und sind sehr ruhig im Vergleich zu den anderen von uns gehaltenen Unterarten. Nach einigen unauffälligen Wochen in Quarantäne setzten wir die zwei Tiere zu den anderen hinzu. Die Tiere gewöhnten sich relativ schnell ein, auffallend ist jedoch, dass die Cyrtopsen häufig ohne Deckung im Terrarium herumliegen, d.h. sie verkriechen sich nicht in eines der angebotenen Verstecke. Auch beim Füttern stellen wir seit kurzer Zeit fest, dass eine der beiden Schlangen nicht mehr frisst. Da das Tier aber noch sehr gut genährt aussieht, machen wir uns noch keine zu großen Sorgen, beobachten Veränderungen jedoch sehr aufmerksam. Eventuell werden wir die Cyrtopsen wieder extra setzen, wenn das eine Jungtier nicht bald wieder ans Futter geht. In jedem Fall gehen unsere Cyrtopsen im Vergleich zu den anderen Unterarten fast immer zuletzt an das dargebotene Futter. Eine Separierung bei der Fütterung funktioniert auch nicht, da die Tiere (durch den Stress des Handlings?) – wie bereits erwähnt - dann nicht mehr fressen. Einige andere Strumpfbänder (parietalis, teilweise radix) gehen z. Zt. jedoch auch nicht mehr so gut ans Futter, was eventuell mit dem Jahreszyklus zusammen­hängen könnte. Da die Tiere gerade knapp über ein Jahr alt sind, wollten wir sie eigentlich noch nicht überwintern. Zur Zeit bedenken wir aber nun doch eine eventuelle Überwinterung wegen des teilweise mangelhaften Fressverhaltens.

Des weiteren überlege ich noch über die Anschaffung einer Thamnophis similis oder aber auch „Florida blue“. Wenn jemand Tiere abzugeben hat, kann er sich gerne melden. 

Ausblick     


Neugierige Thamnophis radix

Wir möchten unsere Thamnophen nicht auf Dauer gemeinsam in dem besagten Becken halten. Schon beim Kauf achteten wir darauf, möglichst nördliche Unterarten zu erwerben (z.B. parietalis, radix), da ich nächstes Jahr die Tiere in Freilandanlagen bzw. Freilandterrarien umsetzen möchte. Hierfür steht mir ein Terrarium von 1,70m Breite zur Verfügung, dass noch einen Zugang zum Keller bekommen soll. Dabei sollen die Nattern bei extremer Hitze selbst ihren bevorzugten Temperaturbereich wählen können. Im Keller befindet sich dann ebenfalls ein etwas kleineres Terrarium, in das die Tiere dann hinunterklettern können. Zudem habe ich schon einen Platz auserkoren, an dem ich selbst ein Freilandterrarium mit ca. 3-4 qm bauen möchte. Glas ist schon vorhanden, ich lasse mir jedoch genügend Zeit mit der Planung, damit ich so viele Details wie möglich berücksichtigen kann. Martin Hallmens Buch über Freilandterrarien gibt uns dabei viele Anregungen und Tipps. Wenn es soweit ist, werde ich natürlich darüber berichten! 

Bis dahin (bzw. bis zum EGSA- Treffen) wünsche ich allen Strumpfbandnatter- Freunden noch viel Spaß und spannende Beobachtungen mit ihren Tieren. 

Thomas Klesius